Stiftung
Im Dezember 2003 wurde in Berlin die Goldberg-Stiftung / Goldberg Foundation errichtet.
Ich bin überzeugt, dass Kapital nicht nur dem eigenen Konsum dienen sollte, sondern Türen in neue, gemeinsame Räume öffnen kann. In diesem Sinne sind Stiftungen das Gegenmodell zur Ideologie des blinden, rein quantitativen Wachstums. Sie setzen unproduktiver Konkurrenz das Modell des Netzwerks entgegen.
Ziele dieser Stiftung sind:
1. Errichtung einer Internet-Akademie
Nach dem Vorbild der Florentiner Akademie im 15. Jahrhundert errichtet die Goldberg-Stiftung eine Internet-Akademie. Jenseits der eingefahrenen universitären Forschung in einzelnen Disziplinen soll ein freies interdisziplinäres Forum für Beiträge zur Ästhetik, Musikwissenschaft, Soziologie, Geschichte, Literaturwissenschaft und Semantik geschaffen werden. Diese Beiträge können direkt in Diskussionsforen diskutiert werden. Der Schwerpunkt wird im Zeitalter der Renaissance gesetzt. Selbstverständlich sind aber auch Beiträge aus anderen Epochen willkommen. In allen Beiträgen sollten möglichst auch Verbindungen zur Gegenwart hergestellt werden. Besonders willkommen sind auch Beiträge, die nach dem Vorbild der Renaissance die Schranken zwischen Natur- und Geisteswissenschaften überwinden. Dieses Diskussionsforum soll die zeitlichen, ideologischen und institutionellen Schranken überschreiten, die im Bereich der Geisteswissenschaften einen fruchtbaren Austausch verhindern. Beiträge können über die genannte e-mail-Adresse eingereicht werden.
In einem zweiten Schritt wird ein Archiv für die Musik des 15. Jahrhunderts eingerichtet, in dem Quellen und Editionen zugänglich gemacht werden.
Weiter bietet die Bücherei der Internet-Akademie umfangreiche Literaturverzeichnisse zu Themen der Renaissance und der interdisziplinären Forschung.
Die Stiftung lädt auch zur Einsendung von Rezensionen über Bücher oder Artikel auf den genannten Gebieten ein.
In der Internet-Akademie werden Kongresse und Symposien annonciert. Informationen hierüber erbittet die Stiftung ebenfalls per e-mail.
2.Gründung und Förderung von Ensembles für die Musik des 15. Jahrhunderts
Im 15. Jahrhundert kam es zu umstürzend neuen Erfahrungen des Sehens (u. a. durch die Entwicklung der räumlichen Darstellung in der Malerei) und des Hörens. Komponisten wie Dufay, Ockeghem und Busnois entwickelten Musik, in der sie das Spannungsverhältnis zwischen Zusammenklang und individueller Freiheit der einzelnen Stimmen bis an die Grenzen des Möglichen führten. Diese Musik eröffnet faszinierende neue Erfahrungen des Hörens. Bestehende oder neu zu gründende Ensembles sollen nicht aus modernen Partituren, sondern von originalen Noten mit ihren einzelnen Stimmen singen. Die besondere Erfahrung des Einstudierens von diesen Quellen soll in neuartigen Konzerten spürbar werden, in denen die Werke erst in einzelnen Stimmen erklingen, einzelne Passagen mit Texten verknüpft werden und Stücke auch wiederholt werden, um eine immer neue Perspektive zu entwickeln. Insbesondere sollen die Konzerte auch die intellektuelle und kulturelle Dimension dieser Musik vermitteln.
In der Rubrik Renaissance-Musik werden darüber hinaus Neuigkeiten und Konzerte angekündigt. Wir bitten um entsprechende Informationen per e-mail. Weiter finden sich Rezensionen neuer Cds.
3. Slow Listening
Ähnlich der Bewegung Slow Food (als Entgegnung zum Fast Food) unterstützt die Stiftung neue Formen von Konzerten, die eine besonders intensive und bewusste Musikerfahrung ermöglichen. Wie für die Musik des 15. Jahrhunderts sollen diese Konzerte durch ihre Dramaturgie und Präsentation die kulturellen und intellektuellen Bezüge der Werke vergegenwärtigen.


