Versailles-Venedig

Ensemble Cello da Gamba

Das Ensemble Cello da Gamba (zwei Celli und
zwei Gamben sowie Cembalo) besteht seit einem Jahr und verbindet
erstmals die Klangfarben der Viola da Gamba mit denen des Barockcellos.
Diese Instrumente verkörpern natürlich nicht nur verschiedene
Klangvorstellungen, sondern auch ästhetische Gegensätze. Geschichtlich
verdrängte das Cello die Gambe nur deshalb, weil die Kompositionen neue
ästhetische Ideale hervorbrachten, die sich auf dem Cello besser
realisieren ließen als auf der Gambe. Historisch waren die Welten des
Cellos und der Gambe streng getrennt, der Aufstieg des Cellos erklärt
sich auch aus den größer werdenden Konzerträumen und einem Verlassen
der Sphäre des Palastes. Während in Italien schon Ende des 17.
Jahrhunderts das Cello die Gambe verdrängte, gelang dem Cello in
Frankreich erst Mitte des 18. Jahrhunderts ein Einbruch in die Domäne
der Gambe.

Das Programm Versailles-Venedig stellt diese
beiden Welten in einem Programm gegenüber, verbindet aber auch in zwei
Werken die beiden Instrumente. Das Programm wird einerseits von Clemens
Goldberg moderiert, es werden aber auch passende historische Texte
gelesen, die Musik und Literatur verbinden, so wie dies ja auch
historisch in beiden Welten geschah.

Die Welt des führenden Hofes Europas, Versailles,
wird mit der Gambe dargestellt. Werke von Marin Marais stehen
mustergültig für die Ästhetik von Versailles. Die Tanzsuiten waren auch
Kommunikation, transportieren verborgene Botschaften, waren klanglicher
Ausdruck der Ideale des Hofes: Richtige Bewegung, Unterhaltung als
Kunst, Theater der Macht, Sinnlichkeit, Beziehungserklärung und
geistvolle Kommentierung.

Diese Dimension der Ästhetik des Hofes, in der
Musik erst verständlich wird, wird mit Aphorismen des scharfzüngigen
Kommentators und Philosophen der höfischen Sphäre, La Bruyère,
verdeutlicht. Die Musik tritt in einen Dialog mit der Literatur und
Philosophie ein und erhält dadurch eine neue Verständlichkeit.

Die Gambe gehört in Versailles ganz in die Musique
de la Chambre du Roy oder anderer hoher Adliger. Sie ist intim und
feinsinnig, elitär und für Eingeweihte bestimmt.

Ganz anders die Kammermusik in den Adelspalästen
Venedigs. Sie wird am Beispiel Antonio Vivaldis und Benedetto Marcellos
dargestellt. Diese Welt ist extrovertiert, die Konzerte der
Adelspaläste sind halböffentlich, sie sind Gelegenheit für Politik,
Handel und Spionage. Diese Welt wird mit den Erinnerungen von Casanova
beschworen, aber auch mit dem Pamphlet Marcellos gegen die Missbräuche
der Oper, die er vor allem mit dem Namen Vivaldi verband.

Historisch unbelegt, aber von großem klanglichem
Reiz ist die Verbindung von zwei Celli und Gambe. Dies geschieht in
zwei Werken, nämlich einer sehr originellen Sonate von Marcello, die
mit einem Solo für zwei Celli endet, und der Transkription von Vivaldis
Konzert für zwei Celli g-moll. Geradezu typisch für die Welt Venedigs
ist die Tatsache, dass Marcello als reicher Adliger ein anerkannter
Opernkomponist und professioneller Musiker wurde und dies seinem Stand
nicht abträglich war. Dies wäre in Versailles undenkbar.

Programm:

Sainte Colombe Suite “La raporté” f. 2 Gamben

François Couperin: 13eme Concert Royal (Cello und Gambe)

Marin Marais: 2eme suite a deux violles et basse

Pause

Vivaldi: Sonate f. Geige und Cello c-moll (bearb. f. Gambe und Cello)

Konzert für zwei Celli g-moll von Vivaldi mit b. c. der Gambe

Marcello: Sonate c-moll für zwei Celli mit b. c. der Gambe

Die Künstler:

Friederike Däublin studierte Viola da
Gamba an der Staatlichen Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim bei
Monika Schwamberger, anschließend am Centre de Musique Ancienne Genève
(Schweiz) bei Ariane Maurette. Sie unterrichtet in Berlin und
konzertiert im In-und Ausland sowohl mit der Viola da gamba im
kammermusikalischer Besetzung als auch mit dem Violone in
Barockorchestern. Außerdem wirkte sie bei Rundfunk- und
CD-Einspielungen mit.

Sabine Erdmann studierte Cembalo bei
bei Egino Klepper in Heidelberg und Mitzi Meyerson an der HdK Berlin.
Sie besuchte Meisterkurse bei Huguette Dreyfus, Robert Hill, Jesper
Christensen und Lars Ulrich Mortensen. Neben solistischer Tätigkeit
spielt sie als Cembalo und Orgel-Continuo bei Concerto Brandenburg,
Concerto Grosso Berlin, dem Berliner Kammerorchester und den
Heidelberger Sinfonikern. Sabine Erdmann wirkt bei den Kammerensembles
Ensemble Serenata, La Gioia, Ensemble Dreiklang Barock und Ensemble
Buon Tempo mit. Sie arbeitet als Korrepetitorin an der UdK Berlin und
leitet Kammermusikkurse an der Musikakademie Rheinsberg. Sie wirkte bei
Rundfunkaufnahmen für NDR und SFB mit und bei Cd-Produktionen mit. Eine
Solo-Cd ist Französischen Porträts gewidmet.

Clemens Goldberg studierte an der
Musikhochschule Freiburg bei Christoph Henkel Cello und in Freiburg,
Basel, Paris und Heidelberg Musikwissenschaft. Er promovierte in
Heidelberg bei Ludwig Finscher, danach wurde er zum Gastprofessor an
der State University of New York at Stony Brook mit einem Stipendium
der Alexander von Humboldt-Stiftung berufen. Dort gründete er ein
Klaviertrio, das in zahlreichen Konzerten auftrat. Von 1987 bis 1989
lebte Goldberg mit einem Forschungsstipendium der DFG in Paris. Dort
konzertierte er als Kammermusiker, machte Radioaufnahmen für France
Musique und trat mit einem moderierten Programm im Pariser Lucernaire
Forum auf. 1989 zog Goldberg nach Berlin, wo er als Autor und Moderator
für Radio und Fernsehen tätig ist. Sein cellistisches Spektrum
erweiterte Goldberg mit Barockcellostudien bei Phoebe Carrai. Seit 8
Jahren moderiert er seine eigene Sendung “Goldberg-Variationen” bei
Radio Kultur (RBB). Daneben wurde er zum Gastprofessor an der HdK
Berlin berufen und ist weiterhin sowohl mit modernem als auch
Barockcello konzertierend tätig. 2003 gründete er die Goldbergstiftung, die besondere Konzertformen nach dem Prinzip des Slow Listening unterstützt.

Claas Harders studierte Gambe bei Jaap der Linden in Bremen,
Marianne Muller in Lyon und schloss sein Studium in Bremen bei Sarah
Cunningham ab. Er besuchte Meisterkurse bei Freek Borstlap, Wendy
Gillespie, Jordi Savall, Arianne Maurette, Wieland Kuijken und Paolo
Pandolfo. In verschiedenen Ensembles spielt er auf Gambe und Lirone,
u.a. auf Festivals wie Abu Gosh (Israel), Festival d’Ambronay
(Frankreich), Musikfest Bremen und Styriarte (Österreich). Außerdem
umrahmte er Lesungen mit solistischer Gambenmusik, von englischer Musik
für Lyra-viol in Tabulatur bis zur galanten Musik von Carl Friedrich
Abel. Seit 1991 gibt Harders regelmäßig Wochenendkurse für
Gambenconsort – selbst veranstaltet oder als Dozent an der
Kunstuniversität Graz, der Volkskunstschule Oederan und der
Volkshochschule Ganderkesee. Er spielt bei den Ensembles Viols Voice,
Ensemble Ensuite und Les Voix Humaines.

Andreas Vetter studierte Violoncello an den
Musikhochschulen Detmold und Freiburg bei Prof. Marcial Cervera und
Prof. Irene Güdel. Daran schloß sich ein Spezialstudium im Fach
Barockcello bei Phoebe Carrai an der Hochschule der Künste Berlin an,
das er 1997 abschloß. Durch den Besuch internationaler Meisterkurse, u.
a. bei Prof. Gerard Darmstadt, Jaap ter Linden und der Bach-Academy
unter der Leitung von Joshua Rifkin, rundete Vetter sein Können ab.
Nach Engagements im Westfälischen Sinfonieorchester Recklinghausen und
dem Symphonischen Orchester Berlin widmete sich Vetter vor allem seiner
kammermusikalischen Tätigkeit auf dem Barockcello. Er ist mit
zahlreichen Ensembles für Alte Musik wie z. B. dem Concerto Grosso
Berlin, Stockholm Barock, Berliner Lautten Compagney sowie dem
Hasse-Orchester der Neuköllner Oper künstlerisch verbunden.