Susanne ung jour
Die Geschichte von Susanna im Bade zählt zu den beliebtesten Stoffen der Malerei und Musik seit der Renaissance. Susanna wird von zwei Richtern im Bad überrascht. Sie soll sich ihnen hingeben, sonst würden sie selbst sie der Unzucht bezichtigen. Susanna bleibt standhaft und wird vor Daniel geführt. Durch eine Fangfrage werden die Richter der Lüge überführt und Susanna gerettet. Wie kein anderer Stoff bot sich die Geschichte an, um einerseits eine Frau nackt darstellen zu können, andererseits aber auch den Jungfrauenkult zu bedienen. Die begehrenswerte Frau, die Jungfrau bleibt, ist ein nie gebrochener Mythos auch der Moderne.
Das Programm zeichnet den Weg von der Renaissance bis zum Hochbarock. Ausgangspunkt ist das berühmte Madrigal Orlando di Lassos, Susanne ung jour. Das Madrigal wird in einigen berühmten Bearbeitungen dargeboten: Giovanni Bassano, Antonio de Cabezon, und Bartolomeo Selma. An diesen Bearbeitungen wird auch die Entwicklung der Diminutionskunst exemplarisch vorgeführt. Diese Kunst ist im Mittelalter verwurzelt und erlebte eine stetige Verschriftlichung in der Renaissance und im Barock.
Aus dieser Kunst der variierenden Bearbeitung einer Vorlage entwickeln sich die selbständige Canzonen und frühe Formen der Sonate ohne konkrete vokale Vorlage. In unserem Programm erklingen als Beispiele eine Canzona von Girolamo Frescobaldi und frühe Sonaten von Giovanni Battista Fontana und Dario Castello. Diese Kompositionen haben oft bildliche, von den Madrigalen der Zeit abgeleitete Dimensionen. Dies gilt auch für den geistlichen Bereich der Motette. Wir haben zwei Beispiele gewählt, deren Inhalte genauso gut für die Geschichte Susannas stehen können: Monteverdis Exulta filia und Lodovico Viadanas Illumina oculos meos.
Den Endpunkt bildet das Oratorium Susanna von Stradella. Aus ihm wird eine Schlüsselszene instrumental dargestellt.
Die Werke begleiten zudem die Geschichte von Susanna, die einerseits mit dem Bibeltext, andererseits mit zeitgenössischen Texten über Susanna vorgetragen wird.
Ideal wäre die zusätzliche Möglichkeit der Projektion von Susanna-Bildern mittels Beamer.
Ausführende:
Joachim Dojahn, Renaissancetraverso
Olaf Neun, Erzlaute
Clemens Goldberg, Barockcello und Rezitation, Moderation
Biografien
Joachim Dojahn schloss 1985 sein Studium mit der künstlerischen Reifeprüfung an der Musikhochschule Freiburg ab. Nach verschiedenen Meisterkursen mit Stephen Preston, Barhold Kuijken, Philippe Suzanne und Michael Schneider nahm Joachim Dojahn in den Jahren 1985/86 Unterricht in Amsterdam bei Wilbert Hazelzet.
Seit dieser Zeit unterrichtete er an der Musikschule in Freiburg sowie in Staufen im Breisgau als Lehrer für Blockflöte.
1988 wird das Barockensemble The Delightful Companions mit holländischen Musikern gegründet.
Seit 2003 besteht das Ensemble L’Amaro-Dolce mit der Zielsetzung der Interpretation von Musik der Zeit vor 1600.
Dojahn trat in zahlreichen Konzerten im In- und Ausland auf und machte Rundfunkaufnahmen als Solist für den SWF.
Clemens Goldberg studierte an der Musikhochschule Freiburg bei Christoph Henkel Cello und in Freiburg, Basel, Paris und Heidelberg Musikwissenschaft. Er promovierte in Heidelberg bei Ludwig Finscher, danach wurde er zum Gastprofessor an der State University of New York at Stony Brook mit einem Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung berufen. Dort gründete er ein Klaviertrio, das in zahlreichen Konzerten auftrat. Von 1987 bis 1989 lebte Goldberg mit einem Forschungsstipendium der DFG in Paris. Dort konzertierte er als Kammermusiker, machte Radioaufnahmen für France Musique und trat mit einem moderierten Programm im Pariser Lucernaire Forum auf. 1989 zog Goldberg nach Berlin, wo er als Autor und Moderator für Radio und Fernsehen tätig ist. Sein cellistisches Spektrum erweiterte Goldberg mit Barockcellostudien bei Phoebe Carrai. Seit 8 Jahren moderiert er seine eigene Sendung “Goldberg-Variationen” bei Radio Kultur (RBB). Daneben wurde er zum Gastprofessor an der HdK Berlin berufen und ist weiterhin sowohl mit modernem als auch Barockcello konzertierend tätig. 2003 gründete er die Goldbergstiftung, die besondere Konzertformen nach dem Prinzip des Slow Listening unterstützt.
Olaf Neun erhielt seine erste musikalische Ausbildung in Gitarre, Theorie und Klavier an der Musikschule Berlin-Treptow. Danach studierte er klassische Gitarre an der Musikhochschule Franz-Liszt in Weimar in der Klasse von Prof. Jürgen Rost und wechselte dann an die HdK Berlin, wo er Laute bei Prof. Nigel North studierte. Er besuchte Meisterkurse bei Paul O’Dette und Elizabeth Kenny. Er ist vielfach als Solist, Liedbegleiter und Continuo-Spieler tätig. Er trat bei den Händel-Festspielen in Halle, den Bach-Tagen Berlin, den Musikfestspielen Dresden und vielen anderen auf. Olaf Neun ist in vielen Radio-Aufnahmen und Cd-Aufnahmen zu hören.


